Geschichte
Mission und Expansion
L'expansion mondiale du christianisme — des premières missions aux enjeux contemporains de l'inculturation.
Das Christentum entstand in Palästina und zählt heute 2,4 Milliarden Gläubige auf allen Kontinenten -- rund 33% der Weltbevölkerung. Diese Expansion ist das Ergebnis von zwei Jahrtausenden Mission, oft verbunden mit der europäischen Kolonialexpansion, was entscheidende Fragen zur Inkulturation und Missionstheologie aufwirft.
Historische Expansionswellen
| Periode | Hauptbewegung | Schlüsselfiguren |
|---|---|---|
| 1.-3. Jh. | Griechisch-römische Expansion -- Paulus, palästinensische Missionen, Ägypten, Persien, Äthiopien | Paulus, Ignatius, Irenäus |
| 4.-10. Jh. | Christianisierung Europas -- Konstantin, Chlodwig, slawische Missionen (Kyrill und Methodius) | Augustinus von Canterbury, Bonifatius |
| 15.-17. Jh. | Koloniale Expansion -- Amerika, Afrika, Asien (Jesuiten, Franziskaner) | Franz Xaver, Bartolomé de Las Casas |
| 18.-19. Jh. | Protestantische Missionen -- Baptist Missionary Society, CMS, Basler Mission | William Carey, David Livingstone |
| 20.-21. Jh. | Globaler Süden -- Pfingstbewegung, afrikanische unabhängige Kirchen, Rückmission | Oral Roberts, Johannes Paul II |
Missio Dei: Ein Paradigmenwechsel
Das Konzept der Missio Dei (Mission Gottes) wurde auf der Willingen-Konferenz (IMK, 1952) entwickelt: Mission ist nicht primär die Aktivität der Kirche, sondern Gottes selbst -- Vater, Sohn und Geist -- in seinem Heilsplan für die Welt. Die Kirche nimmt an Gottes Mission teil, sie besitzt sie nicht. Dieser Paradigmenwechsel hat die protestantische Missionstheologie transformiert: von Eroberung zu Zeugnis, von Zivilisierung zu Inkulturation.
✠ Protestantisch
Mission = Evangeliumszeugnis. Bosch: ganzheitliche Mission -- Evangelisation + Gerechtigkeit + Dienst. Lausanner Verpflichtung (1974): Evangelisation ist primär, schließt aber soziale Verantwortung ein.
✟ Katholisch
Mission = Evangelisation. Ad Gentes (Vaticanum II, 1965): Mission kommt aus der Trinität. Gerechtigkeit und Entwicklung sind Teil der Evangelisation. Johannes Paul II: "neue Evangelisierung".
☦ Orthodox
Mission durch Liturgie und Lebenszeugnis (martyria). Inkulturation: Liturgie in der Landessprache (byzantinische Tradition). Hesychastische Spiritualität als Kern des Zeugnisses.
Die Schweizer Missionen — spezifischer Fokus
Die Schweiz, Geburtsland des Calvinismus und des Pietismus, hat eine Missionsbewegung von bemerkenswerter Intensität entwickelt. Zwei Zentren dominieren: die Romandie (reformiert, frankophon) mit der Mission Romande von Lausanne, und die deutschsprachige Schweiz mit der Basler Mission.
Die Mission Romande (Lausanne, 1875)
Die Mission Romande (auch Mission Suisse dans l'Afrique du Sud, heute Teil von DM-Échange et Mission) wurde 1875 in Lausanne von Ernest Creux (1845–1929) und Paul Berthoud (1847–1930) gegründet. Wichtigstes Einsatzgebiet: südliches Afrika, genauer das Land der Tsonga (heute Süd-Mosambik und Limpopo). Die Missionare gründen die ersten Stationen in Valdezia (1875), Elim (1877), Antioka (1881), Lourenço Marques / Maputo (1887). Sie übersetzen die Bibel ins Tsonga (xitsonga, vollendet 1907 durch Henri-Alexandre Junod).
Wichtige Figur: Henri-Alexandre Junod (1863–1934), Neuenburger Pfarrer, Pionier-Anthropologe, Autor von The Life of a South African Tribe (1912, 2 Bd.), einer der von Malinowski und Mauss zitierten anthropologischen Hauptstudien.
Die Basler Mission (1815)
Die Basler Mission (Basler Mission, heute Mission 21) wurde 1815 von württembergischen und Basler Pietisten gegründet. Hauptarbeitsfelder: Ghana / Goldküste (seit 1828, Gründung der Presbyterianischen Kirche von Ghana, Übersetzungen ins Twi, Ga, Ewe), Südindien / Karnataka (seit 1834), Kamerun (seit 1886), China (1846–1949).
Albert Schweitzer — Theologe, Arzt, Missionar
Obwohl er nicht das Produkt einer klassischen Missionsgesellschaft ist, ist Albert Schweitzer (1875–1965) eine der emblematischsten Missionsfiguren des 20. Jahrhunderts und der einzige protestantische Missionar, der den Friedensnobelpreis erhielt (1952).
Geboren in Kaysersberg (Oberelsass), ist Schweitzer zugleich:
- Theologe — Autor wegweisender Werke: Von Reimarus zu Wrede (1906, später als The Quest of the Historical Jesus 1910 übersetzt) — Gründungswerk der „ersten Suche" nach dem historischen Jesus; Die Mystik des Apostels Paulus (1930);
- Musiker und Organist — Autor einer Referenzbiographie von J.-S. Bach. Le musicien-poète (1905);
- Philosoph — Schöpfer der Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben", dargelegt in Kultur und Ethik (1923);
- Arzt und Missionar — Gründung und Leitung des Krankenhauses in Lambaréné (Gabun) ab 1913, wo er bis zu seinem Tod 1965 wirkte.
Auszeichnungen: Friedensnobelpreis 1952, Goethe-Preis Frankfurt 1928. Schweitzers theologische Missiologie ruht auf drei Prinzipien: Ablehnung aggressiven Proselytismus und Respekt vor afrikanischen religiösen Traditionen; absolute Priorität der inkarnierten Evangeliumsdienstpraxis durch medizinische und humanitäre Hilfe; „Meine Aufgabe ist es nicht zu richten, sondern zu helfen".
📚 Pour aller plus loin
Literatur
Theologie
Wie viele Christen gibt es auf der Welt?
↩
✓
Etwa 2,4 Milliarden -- rund 33% der Weltbevölkerung. Das Christentum ist die größte Religion der Welt. Große Konzentrationen: Subsahara-Afrika, Lateinamerika, Asien (wachsend), Europa (rückläufig). Der Globale Süden zählt jetzt mehr Christen als der Globale Norden.
Inkulturation
Was ist die Missio Dei?
↩
✓
Theologisches Konzept (Willingen-Konferenz, IMK, 1952): Mission gehört Gott (Vater, Sohn, Geist) in seinem Heilsplan für die Welt -- nicht der Kirche als solcher. Die Kirche nimmt an Gottes Mission teil. Paradigmenwechsel: von 'Missionen der Kirche' zu 'Mission Gottes, an der die Kirche teilnimmt.'
Die Missio Dei (Willingen, 1952) kehrt die traditionelle Logik um: Mission fließt nicht mehr von der Kirche zur Welt, sondern von Gott zur Welt durch die Kirche. Gott (Vater, Sohn, Geist) ist der primäre Missionsagent. Konsequenzen für die protestantische Missiologie: (1) Dezentralisierung der Kirche -- Mission ist keine Selbstexpansion einer Institution; (2) Offenheit für Gottes Handeln außerhalb der institutionellen Kirche; (3) ganzheitliche Mission -- soziale Gerechtigkeit, Inkulturation, ökologisches Zeugnis; (4) Kritik an kolonialer und paternalistischer Mission. David Bosch (Mission im Wandel, 1991) synthesiert diesen Ansatz in 13 Missionsparadigmen.
Bosch. Mission im Wandel. Brunnen, 2012.
Quiz -- Christliche Mission
2 questions
Q1/2
Das Missio-Dei-Konzept, auf der Willingen-Konferenz (1952) entwickelt, besagt, dass:
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Missio Dei (Willingen, IMK, 1952): Mission hat ihren Ursprung in Gottes Wesen -- der Vater sendet den Sohn, der Vater und der Sohn senden den Geist, der Geist sendet die Kirche. Mission ist nicht die Selbstexpansion der Kirche, sondern Teilhabe an Gottes eigenem Handeln in der Welt.Q2/2
Die Lausanner Verpflichtung (1974) zur Mission bekräftigt, dass:
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Lausanner Verpflichtung (1974, Billy Graham, John Stott): Evangelisation ist primär in der Sendung der Kirche -- aber auch soziale Verantwortung und Gerechtigkeit gehören dazu. Evangelisation und soziale Verantwortung sind getrennt, aber untrennbar.Score
Bibliography / Bibliographie / Bibliografia
Mission -- primary sources
- Boniface. Letters. MGH Epp. Sel. I.
- Las Casas, Bartolome de. History of the Indies. New York: Harper, 1971.
- Las Casas. A Short Account of the Destruction of the Indies (1552).
- Edinburgh Missionary Conference 1910. Report. 9 vols. Edinburgh: Oliphant, 1910.
Historical studies
- Latourette, Kenneth S. A History of the Expansion of Christianity. 7 vols. New York: Harper, 1937-1945.
- Neill, Stephen. A History of Christian Missions. 2nd ed. London: Penguin, 1986.
- Bosch, David J. Transforming Mission. Maryknoll: Orbis, 1991.
- Sanneh, Lamin. Translating the Message. Maryknoll: Orbis, 1989.
- Walls, Andrew F. The Missionary Movement in Christian History. Maryknoll: Orbis, 1996.
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