Universales Heil und Vorliebe für die Ausgegrenzten
Lukas ist das Evangelium des universalen Heils und der Vorliebe für die Ausgegrenzten. Die Genealogie reicht bis auf Adam zurück (Lk 3,38), nicht nur bis auf Abraham, was die universale Tragweite anzeigt. Simeon ruft Jesus aus als „Licht zur Erleuchtung der Heiden und Herrlichkeit Israels“ (Lk 2,32, zitiert Jes 49,6). Das Nazareth-Manifest (Lk 4,16-30) zitiert Jes 61: „Der Geist des Herrn ist auf mir, um den Armen die frohe Botschaft zu verkünden“, und erregt Zorn, als Jesus die Witwe von Sarepta und Naaman den Syrer erwähnt. Der barmherzige Samariter (Lk 10,25-37) macht den verachteten Heiden zum Vorbild der Nächstenliebe. Zachäus der Zöllner (Lk 19,1-10), der Pharisäer und der Zöllner (Lk 18,9-14), der reuige Schächer (Lk 23,39-43) zeigen das den Unwürdigen angebotene Heil.
Die Frauen nehmen einen außergewöhnlichen Platz ein: Maria und Elisabet (Lk 1), die Prophetin Hanna (Lk 2,36-38), die Witwe von Nain (Lk 7,11-17), die begnadigte Sünderin (Lk 7,36-50), die weiblichen Jüngerinnen (Lk 8,1-3) — Maria von Magdala, Johanna, Susanna und mehrere andere, „die ihnen mit ihrem Vermögen dienten“ —, Marta und Maria (Lk 10,38-42), die Töchter Jerusalems (Lk 23,27-31), die Zeuginnen der Auferstehung (Lk 24,1-11). Diese weibliche Präsenz ist in den Evangelien ohnegleichen.
Die Armen empfangen eine Seligpreisung ohne geistliche Bedingung (Lk 6,20, „Selig, ihr Armen“ ohne „im Geiste“ wie in Mt 5,3). Die entsprechenden Weherufe gegen die Reichen (Lk 6,24-26) sind Lukas eigentümlich. Maria singt: „Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Niedrigen erhöht; die Hungernden hat er mit Gütern erfüllt und die Reichen leer fortgeschickt“ (Lk 1,52-53, Magnificat). Der verlorene Sohn (Lk 15,11-32), der Reiche und Lazarus (Lk 16,19-31), die Warnung vor der Habgier (Lk 12,13-21), der reiche Vornehme (Lk 18,18-30) thematisieren den Gebrauch des Reichtums. Diese sozioökonomische Dimension macht Lukas zum bevorzugten Text der Befreiungstheologien.